Daria geht

Daria Baibakowa verlässt Nochlechka. Ich muss zugeben, dass ich lange überlegt habe, wie ich diese Nachricht übermitteln soll. Die Entscheidung ist für mich von enormer Bedeutung. Aber ich bin nicht sicher, ob ich die richtigen Worte finde, so gross sind meine Gefühle, schreibt uns Daria.

Ein schwerer Abschied
Ein grosser Teil meines Herzens wird für immer in diesem zweistöckigen, rosafarbenen Gebäude bleiben. Es liegt zwischen den Bahnhöfen Sawelowski und Belorusski und man erkennt es an seinem gelben Schild. Dort wo sich beim Eingang morgens bei jedem Wetter eine Schlange von Menschen bildet, die auf die Türöffnung warten. Dort, wo ein ständiger Trubel herrscht: laufende Waschmaschinen, Gespräche, Filme usw. Dort, wo Freiwillige, Bedürftige und Angestellte Seite an Seite Backgammon oder Pingpong spielen, wo man im Sommer im Hof tanzt und wo die Türen für alle offen sind. Dort, wo Jahr für Jahr jeden Dienstag das ganze Team (das beste Team der Welt) in einem Besprechungsraum zusammenkommt, der zu klein ist, um alle aufzunehmen. Dort, wo wir zusammen nachdenken und diskutieren und wo wir von einer besseren Zukunft träumen, in der obdachlose Menschen ohne Papiere nicht mehr ihrem elenden Schicksal überlassen bleiben, weil geeignete Strukturen die Wiedereingliederung aller ermöglichen wird.

Wir bildeten eine Einheit
Vor acht Jahren bin ich mit Nochlechka in eine Art Symbiose getreten. Die Ideale, die Arbeit und die Ziele von Nochlechka habe ich mir seit dem ersten Arbeitstag zu eigen gemacht.
Siehe Wie alles begann.
Nochlechka ist eine wunderbare Organisation und ich bin sehr stolz, dazuzugehören. Jeden Tag bemühen wir uns, eine Welt zu schaffen, in der wir selbst gerne leben möchten. Eine Welt, in der man sich selbst sein kann, sich weiterentwickeln, lernen gestalten und seine Überzeugungen zum Ausdruck bringen kann. Eine Welt, in der jedes Menschenleben wertvoll ist.
Acht Jahre an der Spitze, diese so wichtige und glückliche Zeit meines Lebens.

Kämpfen für eine bessere Welt
Nochlechka, das sind Tausende von Menschen, die sich gegen Ungerechtigkeit, Stigmatisierung und Gleichgültigkeit wehren. Nochlechka, das sind Tausende von Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund beschlossen haben, aktiv zu werden, um die Welt um uns herum zu verändern.
Euch alle bewundere ich. Und ich bin euch allen unendlich dankbar dafür, dass ihr uns seit so vielen Jahren unterstützt. Ein riesengrosses Dankeschön auch an alle, mit denen wir Nochlechka Moskau gegründet und weiterentwickelt haben. So viele Erfolge, insbesondere bei der Hilfe für obdachlose Frauen ohne Papiere. Ohne all diese wundervolle Unterstützung wäre die Realisierung völlig unmöglich gewesen.

Für Frauen
Trotz der unbeständigen finanziellen Lage läuft heute alles gut, die verschiedenen Abläufe wurden optimiert, unser leistungsstarkes Team ist vollständig und Tausende von Menschen erhalten jedes Jahr unsere Hilfe. Vor diesem positiven Hintergrund verlasse ich Nochlechka, um ein neues Projekt zu lancieren, das sich ausschliesslich an obdachlose Frauen richtet.
Ich möchte mein Wissen über Obdachlosigkeit und meine wirtschaftlichen Kenntnisse in den Dienst dieser Frauen stellen, die so stark vernachlässigt werden, diese Frauen, die noch mehr als die Männer an ihrer Obdachlosigkeit leiden.
Indem ich mich speziell für diese Gruppe von Menschen in extremer Not einsetze, glaube ich, dass ich auf gewisse Weise die Arbeit von Nochlechka fortsetzen und ergänzen kann.
Die Obdachlosigkeit ist ein riesiges und komplexes Problem, das nur gemeinsam gelöst werden kann. Je mehr professionelle Hilfe es in unserem Land gibt, desto weniger Menschen werden auf der Strasse landen und desto schneller kommen sie wieder von der Obdachlosigkeit weg, sagt Daria zum Schluss.

Wir brauchen Sie mehr denn je.
Ohne Ihre Unterstützung werden wir es nicht schaffen. Danke, dass Sie es Nochlechka ermöglichen, Hilfe zu leisten.

Wir erinnern Sie daran: Trotz der Boykottmassnahmen können wir unsere finanzielle Hilfe weiterführen