Um obdachlosen Frauen besser helfen zu können, haben wir eine Studie über die Ursachen dieser besonderen Form der Obdachlosigkeit in Auftrag gegeben.
Auf unsere Anfrage hin wurde sie von der Gruppe Artel für angewandte Anthropologie durchgeführt.
Wir wollten die Lebenswege, die Frauen in verletzliche Situationen führen, besser erkennen, Strategien erfassen, die es ihnen ermöglichen würden, Obdachlosigkeit zu vermeiden und verstehen, warum sie sich nicht häufiger an Hilfsorganisationen wenden.
Hier einige Erkenntnisse, die mir besonders wichtig erscheinen:
1-Frauen sind grösseren Risiken ausgesetzt bei Übergangsphasen in ihrem Leben. Zum Beispiel bei Eintritt in die Universität und beim Verlassen des Elternhauses, bei Studienabschluss und bei der Erlangung der Selbständigkeit, zu Beginn und am Ende einer Liebesbeziehung, bei der Geburt eines Kindes und bei der Pflege von Angehörigen.
2-Die Frauen bezeichnen sich sehr selten als obdachlos (aus Gründen der damit verbundenen Stigmatisierung), selbst wenn sie es sind. Sie machen vielleicht Witze darüber, aber sie nehmen ihre Situation fast nie ernst.
3-Viele Frauen erkennen ihre Krisensituation erst im Nachhinein, wenn sie wieder eine gewisse Stabilität erlangt haben und die vergangenen Erfahrungen ihnen als instabil und gefährlich erscheinen.
4-Zu den Überlebensstrategien von Frauen, die ihre Wohnung verloren haben oder mittellos sind, gehört häufig die Suche nach einem gewieften Partner, was in englischsprachigen Studien “Überlebenssex” genannt wird. Das sind Fälle, in denen sich eine Frau zu einer Beziehung gezwungen sieht, um ihr Leben und ihre Gesundheit zu schützen, auch wenn diese Beziehung ihrem Wesen nach gefährlich ist.
5-Die Frauen weigern sich oft, Unterstützungsorganisationen um Hilfe zu bitten, da sie denken, dass sie im Gegenzug ihre Probleme offenlegen müssen und ihre Lebenskrise dadurch sichtbar wird. Oder sie finden, ihre Notlage sei nicht so gross, oder, im Gegenteil, ihre Probleme seien zu schwerwiegend. Sie glauben auch, dass andere Personen in einer schlimmeren Lage seien und eher Hilfe benötigten.
Wir tun unser Möglichstes, um ihnen zu helfen und Leben zu retten. Unsere Aufgabe ist riesig. Unterstützen Sie uns.
Wichtig: Trotz der Boykottmassnahmen können wir unsere finanzielle Hilfe weiterführen.