Menschenhandel

Im Jahr 2026 ist die Versklavung von Menschen immer noch eine weltweite Bedrohung, die durch das organisierte Verbrechen gefördert wird. Gemäss dem neuesten UNO-Bericht gibt es jedes Jahr mehr Opfer, über grössere Entfernungen hinweg, mit grösserer Gewaltanwendung, über längere Zeiträume hinweg und für einen höheren Profit.

Auch in Russland
In diesem Land stellt die Zwangsarbeit im Jahr 2026 die wichtigste Form der innerstaatlichen Sklaverei dar. Sie betrifft hunderttausende von Schutzbedürftigen. Dazu gehören auch obdachlosen Menschen ohne Papiere.
Seit vielen Jahren kämpft Nochlechka gegen dieses Übel. Heute ist in Russland aufgrund des durch den Krieg in der Ukraine verursachten, akuten Arbeitskräftemangels der Bedarf an Arbeitern so gross wie nie zuvor. Es gibt einen wirtschaftlichen Mikrokosmos, der auf der Suche nach billigen Arbeitskräften ist.
Um Menschen wie Obdachlose anzulocken, wird immer häufiger mit Kleinanzeigen geworben. Hinter diesen Anzeigen verbirgt sich sehr oft die schreckliche Falle der Sklaverei. Andere betrügerische Verfasser von Anzeigen geben sich als Wohltätigkeitsorganisationen aus. Und es kommt auch immer wieder vor, dass an Orten, wo sich Obdachlose aufhalten, wie zum Beispiel an Bahnhöfen oder an den Haltestellen des Nachtbusses, Schlepper auftauchen, die den Leuten das Blaue vom Himmel versprechen.
Jahr für Jahr und Monat für Monat versucht Nochlechka unermüdlich, die Obdachlosen vor den grossen Gefahren zu warnen, die hinter diesen verlockenden Angeboten lauern.

Ein gut geölter Ausbeutemechanismus
Mittels verschiedener Tricks werden die Opfer gegen ihren Willen in der Bauindustrie, der Landwirtschaft, der Textilindustrie oder in Ziegeleien festgehalten. In der Region Dagestan besteht eine grosse Nachfrage nach solchen Arbeitskräften, die nach Belieben ausgebeutet werden können.
Kriminelle Netzwerke beschlagnahmen die Pässe, wenden körperliche Gewalt an, erlegen den Opfern fiktive Schulden auf (Schuldknechtschaft) und nehmen ihnen so jeglichen Lohn weg.
Dieses System der Sklaverei zielt insbesondere auf Migranten aus Zentralasien (Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan), betrifft aber auch arme russische Staatsbürger oder solche ohne gültige Papiere.

Staatliche Komplizenschaft
Dass die moderne Sklaverei in Russland so floriert, hängt mit der institutionellen Struktur zusammen, die den Menschenhandel aus Bequemlichkeit “ignoriert”.
Es ist eine Tatsache, dass es keine Schutzmassnahmen gibt, keinen staatlichen Mechanismus, um den Opfern helfen. Die Polizei weigert sich in der Regel, Klagen entgegenzunehmen, stellt Ermittlungen unter dem Vorwand ein, die Opfer seien zu Beginn “einverstanden” gewesen, und arbeitet manchmal sogar direkt mit den Menschenhändlern zusammen.
Es gibt in Russland mehrere NGOs, die sich bemühen, Opfer aus den Arbeitslagern zu befreien. Aber in der derzeitigen Situation wird es immer schwieriger, diesen Menschen zu helfen.
Um weiterhin Menschenleben zu retten, mussten diese Organisationen ihre Methoden völlig verändern. Sie müssen hochverschlüsselte Nachrichten-Apps verwenden, um Hilferufe von Opfern oder ihren Angehörigen empfangen zu können.
Die Koordinations- und Kommunikationsarbeit und die internationale Interessenvertretung werden jetzt vom Ausland aus geleitet (Georgien, Litauen, Frankreich), während vor Ort nur noch die Verbindungsleute bleiben, welche die physische Befreiung der Opfer vornehmen.
Für die Finanzierung greifen diese NGOs auf Spenden in Kryptowährungen oder auf Konten im Ausland zurück, um die Sperrung ihrer Bankkonten in Russland zu umgehen.

Zahlreiche Erfahrungsberichte
Ich glaubte, ich müsste dort sterben. Die Wachen im Lager gaben keine Medikamente ab, nur Wodka mit schwarzem Pfeffer vermischt. Ich konnte mit der Hilfe eines Mitgefangenen fliehen, der sich mit Tuberkulose angesteckt hatte und aus dem Lager weggewiesen wurde, erzählt Andrej, den wir im Aufnahmezentrum von Nochlechka in Sankt Petersburg angetroffen haben.
Die vielen Aussagen der Opfer haben alle eines gemeinsam: Zu Beginn wurden sie mit fantastischen Versprechen geködert.

Bei Nochlechka tun wir alles, um zu verhindern, dass obdachlose Menschen ohne Papiere Opfer dieser Sklavenhalter werden.

Danke dafür, dass Sie uns weiterhin unterstützen. Unsere Aufgabe ist riesig. Wir retten Leben.

Wichtig: Trotz der Boykottmassnahmen führen wir unsere finanzielle Hilfe weiter.