Kollateralschäden

Der Krieg in der Ukraine wird spürbar. Die Wirtschaft Russlands gerät ins Stocken und die Regierung korrigiert ihre Wachstumsprognosen nach unten. Das bleibt für die humanitäre Hilfe von Nochlechka nicht ohne Folgen.

Trübe Aussichten
In einer schwierigen Wirtschaftslage, die sich im Rückgang des BIP und einer überhitzten Kriegswirtschaft zeigt, hat die Regierung ihre Wachstumsprognosen für 2026 auf 0,4 % reduziert. Ursprünglich war von 1,3 % die Rede. Die Industrie und die russische Bevölkerung leiden an den Auswirkungen der Kriegswirtschaft.

Es herrscht ein tiefgehendes strukturelles Ungleichgewicht. Während die Waffenfabriken dank staatlicher Aufträge auf Hochtouren laufen, verliert die zivile Wirtschaft an Fahrt. Die Kaufkraft schwindet und die Inflation wird für 2026 auf 5,2 % bis 6,5 % geschätzt. Das wäre zwar eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Jahren 2024-2025, in denen die Inflation bei fast 15 % lag, wäre aber weiterhin ein hoher Wert. Und bekanntlich kommt es selten vor, dass Preise, die einmal gestiegen sind, wieder sinken.
Im Jahr 2025 wurden Dienstleistungen um mehr als 9,3 % teurer, Nahrungsmittel um 5,2 %. Zwischen 2024 und 2026 verteuerten sich Milchprodukte um mehr als 41 %. Bei Non-Food-Artikeln wie Schuhen, Computern und Haushaltgeräten stiegen die Preise um mehr als 3,0 %.
Diese Situation hat zu einem Anstieg der Armut und der Obdachlosigkeit geführt und tut dies auch weiterhin, und zwar vor allem bei der älteren Bevölkerung. Siehe Artikel Welches Leben im Alter?

Schwierige Zeiten
Für Nochlechka stellt sich das Problem, dass einerseits mehr Menschen geholfen werden muss und anderseits die finanziellen Mittel immer knapper werden. Die privaten und institutionellen Spenden (z.B. von Firmen) fliessen immer spärlicher.
Daria Baibakowa, die Leiterin von Nochlechka in Moskau, erklärt es uns folgendermassen: Seit Jahresbeginn ist unsere finanzielle Lage angespannt. Wir spüren die Folgen des Konjunkturrückgangs. Derzeit arbeiten wir daran, unsere verschiedenen humanitären Hilfsprogramme zu konsolidieren. Wir konzentrieren uns vor allem auf Rationalisierungsprozesse und warten auf bessere Zeiten für die Entwicklung neuer Projekte.
Trotz dieser Schwierigkeiten ist es unerlässlich, unsere Unterstützung für die Obdachlosen weiterzuführen. Es darf nicht sein, dass sie obendrein noch zu Kollateralopfern dieses Konflikts werden, fügt Daria an.

Überleben ist nicht leben
Dimitri, den wir beim Nachtbus angetroffen haben, würde da nicht widersprechen.
Ohne die Verteilung von Lebensmitteln durch Nochlechka wüsste ich nicht, wie ich überleben könnte. Der pensionierte Arzt hat die Regale in den Lebensmittelläden schon lange nicht mehr gesehen. Für mich wie für viele meiner Landsleute wird alles so teuer, dass wir mit unseren Renten nicht mehr über die Runden kommen. Wir sparen an allen Ausgaben, auch den allernotwendigsten, aber es hilft nichts.
Stellen Sie sich vor: Der Preis für Kohl ist um mehr als 56,8 % in die Höhe geschossen, Randen (Rote Bete) verzeichneten einen Preisanstieg von 32,1 %. Zwischen Mai 2024 und Mai 2025 hat sich der Preis für Kartoffeln um 2,6-fache erhöht usw. Damit wir nicht verhungern, gibt es zum Glück den Nachtbus. Dort geben sie uns zu essen. Ohne die Leute von Nochlechka ….

Auch in der Schweiz
Auch wenn die wirtschaftliche und politische Lage in der Schweiz damit absolut nichts zu tun hat, stellen wir seit Jahresbeginn ebenfalls einen Rückgang der finanziellen Unterstützung fest, die unsere Spenderinnen und Spender für die humanitären Aktionen von Nochlechka leisten.
Eine paradoxe Situation, denn eigentlich müssten wir den Schützlingen von Nochlechka mehr finanzielle Hilfe zukommen lassen, da ihre Bedürfnisse dringender geworden sind.

Ihre Hilfe rettet Leben. Wir brauchen Sie mehr denn je.
Wichtig: Trotz der Boykottmassnahmen können wir unsere finanzielle Hilfe weiterführen.