Es reicht!

Ich durchwühlte gerade einen Abfallhaufen auf der Suche nach Altmetall, das ich verkaufen wollte, und plötzlich hatte ich einfach die Nase voll.
Anton, 36 Jahre alt, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Petrosawodsk, seiner Geburtsstadt. Er übte vielerlei Tätigkeiten aus: Hilfsarbeiter auf dem Bau und in einer Heizanlage, Lagerarbeiter in einem Geschäft und Handlanger in einer Reifenwerkstatt. Für Anton waren das Wichtigste Nachtklubs, Mädchen und Biertrinken mit Freunden.

Eine Falle
Bei einer dieser Partys spricht ein Kumpel von einem guten Job auf einer Baustelle in Sankt Petersburg. Dieser “gute Job” entpuppte sich, wie so viele andere verlockende Angebote, als Illusion, erklärt Anton. Nach dem ersten Monat wurde ich nicht bezahlt. Ich war pleite, wollte aber trotzdem ein letztes Glas trinken gehen, bevor ich nach Petrosawodsk zurückkehren würde. Als ich am nächsten Tag erwachte, waren all meine Sachen und meine Identitätspapiere weg.
Ich stand auf der Strasse, völlig verloren. Ich irrte ziellos umher, schlief in Kellern und Dachstöcken und verbrachte sogar mehrere Nächte auf einem Friedhof.

Der Betrug
Als ich so umherlief, sah ich eine kleine Anzeige, die am Pfosten einer Strassenlampe klebte. “Sie sind in einer schwierigen Lage, allein und verzweifelt. Kommen Sie zu unserem Rehabilitationszentrum. Wir helfen Ihnen”, stand auf diesem kleinen Zettel. Von wegen, erzählt Anton weiter, es war ein Zwangsarbeitslager.
Sie werben uns Obdachlose an, bringen uns in Schlafsälen unter, die von Wanzen befallen sind, geben uns ungeniessbares Essen, gerade so, dass wir nicht verhungern, und lassen uns unter scharfer Aufsicht auf Baustellen schuften und extrem strenge Arbeiten verrichten. Natürlich werden wir nicht bezahlt.
Nach fünf Wochen gelang es mir, abzuhauen.

Allein in der grossen Stadt
Und wieder stand ich auf der Strasse ohne die geringste Idee, wohin ich gehen sollte.
Zusammen mit anderen Männern, die wie ich in Not waren, sammelten wir Schrott auf verlassenen Baustellen und Mülldeponien. So konnten wir überleben.
Und dann, am 15. September 2025, ich erinnere mich noch genau daran, sagte ich mir, dass es so nicht weitergehen könne. Ich hatte von einem Verein gehört, der den obdachlosen Sans-Papiers hilft. Im Regen marschierte ich an die Borowajastrasse 112B. Angeblich gab es dort etwas.
Heute ist Anton ein fröhlicher, gepflegter Mann, der sich zum Kochgehilfen ausbilden lässt.

Ein neuer Anfang
Kaum zu glauben, dass ich vor sechs Monaten noch unter Bedingungen zu überleben versuchte, die ich niemandem wünsche. Wissen Sie, das Leben auf der Strasse verändert einen Menschen. Es macht einen so verzweifelt, dass einen nichts mehr berührt, nicht einmal der eigene Verfall.
Ich verstehe immer noch nicht, warum ich plötzlich aus diesem Nebel herausgefunden habe, warum ich wieder zu Bewusstsein gekommen bin.

Unsere Unterstützung
Nach vielen Wochen körperlicher und psychischer Genesung dank unserer Sozialhelferinnen, unserer Psychologinnen und auch dank unseres Rechtsdienstes, der sich um die Wiederherstellung der administrativen Identität Antons bemühte, konnten wir ihm ein Praktikum als Küchenhilfe im Hotel Hilton
anbieten, erklärt die Rechtsberaterin Wiktorija Weselowskaja.

Ohne Ihre finanzielle Unterstützung könnten wir diese humanitären Aktionen nicht durchführen.

Unsere Aufgabe ist riesig. Helfen Sie uns, mehr Menschlichkeit zu schaffen.

Wichtig: Trotz der Boykottmassnahmen ist es uns immer noch möglich, ihre Spenden weiterzuleiten.