Sie können sich gar nicht vorstellen, wie beruhigend es ist, wenn sich jemand um einen kümmert, erzählt die etwa vierzigjährige Marina. Sie lebte mehrere Monate auf der Strasse und begann zu trinken, um dieses Leben auszuhalten.
Heute ist Marina eine der ersten Pensionärinnen unseres neuen, speziell für Frauen geschaffenen Rehabilitationszentrums. Es wurde eben erst in Sankt Petersburg eröffnet.
Es wurde Realität
Wir beschäftigen uns schon seit langem mit diesem Projekt, erklärt Danil Kramorow, der Präsident von Nochlechka. Die Realisation war ein komplexes Unterfangen angesichts unserer wirtschaftlichen Situation. Aber nun ist es soweit. Die Wohnung kann sechs obdachlose Frauen aufnehmen, die bereit sind, sich einer Entzugsbehandlung zu unterziehen.
Die wichtigste Voraussetzung, um daran teilzunehmen, ist der feste Wille, geheilt zu werden. Die Entscheidung darüber, ob eine Frau aufgenommen wird oder nicht, trifft die Koordinatorin des Zentrums.
Während der Therapie helfen unsere Anwältinnen jeder Patientin, ihre juristischen Probleme zu lösen, erklärt Danil Kramorow weiter.
Das Rehabilitationszentrum nimmt Frauen auf, die bereits seit einem Monat nachweislich abstinent sind. Die ersten Bewohnerinnen sind im März 2026 eingetreten. Das Team des Zentrums besteht ausschliesslich aus Frauen. Unsere Pensionärinnen fühlen sich nicht immer sicher in Anwesenheit von Männern und arbeiten lieber mit Frauen zusammen.
Der Absturz
Die Obdachlosigkeit ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Suchterkrankungen. Die Frauen wenden sich dem Alkohol zu, um zu versuchen, mit starkem Stress fertig zu werden, Schmerzen zu lindern, ihr Leid zu vergessen und etwas Trost zu finden.
Marina berichtet: Es ist so. Ich glaubte, wenn ich Alkohol trinken würde, so würde ich die fürchterliche Umgebung vergessen, in der ich lebte. Das war absolut nicht der Fall. Was nämlich passierte, war, dass ich eine Alkoholikerin wurde, die bereit war, jede Flüssigkeit zu trinken, solange sie Alkohol enthielt. Mein Gesundheitszustand wurde immer schlechter. Zum Glück haben mich meine Leidensgenossinnen hierhergebracht, zu Nochlechka.
Der Wille da rauszukommen
Das Rehabilitationszentrum in der Nähe der Metrostation Alexander-Newski-Platz nimmt Frauen auf, die ihre Sucht erkannt haben und bereit sind, eine Entzugstherapie von sechs Monaten zu absolvieren. Die Entwöhnung basiert auf den Prinzipien der Anonymen Alkoholiker, ein Programm in 12 Etappen, das Gruppen- und Einzelsitzungen mit Suchtspezialisten und Psychologinnen umfasst.
Ein spartanisches Regime
Aufstehen um acht Uhr (am Wochenende um neun Uhr), Lichterlöschen um Mitternacht. Nach dem Lichterlöschen darf man nicht mehr fernsehen, Musik hören oder laut sprechen. Am Morgen gibt es zuerst Gymnastik, dann das Frühstück. Um zehn Uhr versammeln sich alle am Tisch im Speisesaal, um den Gemütszustand jeder Frau zu besprechen.
Die täglichen Sitzungen werden von Peers geleitet (ehemaligen Abhängigen, die seit mehr als zwei Jahren stabil sind).
Unterstützen wir sie
Frauen tendieren weniger als Männer dazu, um Hilfe zu bitten. Sie versuchen oft, ihre Schwierigkeiten zu verbergen und sich allein zurechtzufinden. Es ist äusserst wichtig, dass keine Frau mit ihren Problemen alleingelassen wird, sondern dass sie in jeder Situation und an einem Ort, wo sie sich in Sicherheit fühlt, Unterstützung anfordern kann.
Unsere Aufgabe ist riesig. Helfen Sie uns, mehr Menschlichkeit zu schaffen.
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