Schulbildung für alle?

In Russland sind viele Kinder gezwungen, die Schule zu schwänzen.
Es sind dies die Mädchen und Knaben der russischen Bürger, die in ihrem eigenen Land Sans-Papiers sind. Staatenlos wie ihre Eltern, existieren diese Kinder für die russische Verwaltung ganz einfach nicht.

Im Land der Sans-Papiers ist die Zukunft des Neugeborenen bereits genau vorgezeichnet.
Man erinnert sich an Veronika, diese junge Mutter ohne Identität, die ihren Gynäkologen gleich nach der Niederkunft verzweifelt bat, die Geburt ihrer Tochter Olga zu registrieren. Nichts geschah. Veronika wusste, dass Olga somit nie eine Schule wird besuchen können und dass ihr damit als einzige Zukunft das Überleben auf der Strasse bleibt.

Das könnte sich ändern
Am 18. Juni 2020 bringt der aktualisierte Erlass vom 15.05.2020-236 des Erziehungs-Ministeriums der Russischen Föderation die Zulassungsbedingungen zum Vorschulunterricht auf den neusten Stand.
Er bestimmt, dass ab diesem 18. Juni 2020 alle Kinder zur Schule gehen können, ob sie administrativ anerkannt sind oder nicht. Ihr Zugang zur Schulbildlung wird anerkannt.

Ein grosser Sieg für Nochlechka
Als Reaktion auf den Entwurf des russischen Erziehungs-Ministeriums, der die Eltern verpflichtete, verschiedene Dokumente beizubringen, um ihr Kind für die Vorschulung einzuschreiben, hat Nochlechka Kommentare und Vorschläge eingesandt.
Ihre Juristen haben darauf hingewiesen, dass diese administrativen Anforderungen dem Artikel Nr. 3266-1 vom 10.07.192 des russischen Gesetzes widersprechen, der festhält:
“Der Zugang zur Bildung ist für alle Kinder ohne jegliche Einschränkunkung frei, unabhängig davon, ob eine Einschreibung, andere Gründe oder Umstände vorliegen…“.

Nochlechka ist sehr glücklich, angehört worden zu sein. Normalerweise können ab heute sämtliche Kinder zur Schule gehen, erklärt uns Grigory Swerdlin, Präsident von Nochlechka.

Grosse Wachsamkeit
Bereits vor acht Jahren hat Nochlechka das Justiz-Ministerium auf diese krasse Problematik aufmerksam gemacht.
Der seinerzeitige Minister, Herr Alexander Konowalov, hatte Nochlechka informiert, dass die Kinder der Sans-Papiers für die Schule eingeschrieben werden können, jedoch erst nach erfolgter Einschreibung sämtlicher übrigen Kinder.
Und konkret: seither konnten die Kinder der russischen Sans-Papiers nicht eingeschult werden.

Wie wird es diesmal sein?
Jede Region verfügt über eine unterschiedliche politische und wirtschaftliche Autonomie und die Umsetzung der Beschlüsse von Moskau hängen grossenteils vom guten Willen des Gouverneurs ab. Es ist deshalb nicht sicher, ob die Direktiven des Bildungsministeriums konkret werden.
In der Tat blieben in der Vergangenheit so andere Entscheide zugunsten der Sans-Papiers toter Buchstabe.

Es wird Zeit, dass diese stigmatisierten Kinder wie alle kleinen Schüler die Möglichkeit haben, zu reklamieren, wenn der Moment kommt, in die Schule zu gehen.

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