Scheinwerfer in der Nacht

Sie können sich nicht vorstellen, wie dieses die Nacht durchbohrende Licht uns beruhigt, sagt Wladimir in 2002.
Wir für ihn, war die Ankunft des Nachtbusses stets eine Beruhigung für die etwa hundert obdachlosen Sans-Papiers, welche jeden Tag seine Ankunft erwarteten.

In 2002
Nochlechka war zu jener Zeit lediglich der Embryo der NGO, wie wir sie heute kennen.
In jenem Jahr war Russland international isoliert, der blutige Tschetschenienkrieg geht weiter.
Die starke wirtschaftliche Aktivität hat die Wunden der schrecklichen Depression jedoch noch nicht geheilt, welche das Land zwischen 1992 und 1998 kannte. Mehr als 13% der Bevölkerung lebte unter der Armutsgrenze.
Unter ihnen Hunderttausende obdachlose Sans-Papiers, Männer, Frauen und Kinder, die buchstäblich vor Hunger krepierten.

20 Jahre Leben erhalten
Angesichts dieser Feststellung entscheidet Nochlechka, dass man ihnen Lebensmittel bringen muss.
Eine umfassende Hilfskette wurde erstellt, in der verschiedene Restaurants sich bereiterklärten, Suppe zu kochen, Tee zuzubereiten, wo ein Kloster sich bereiterklärte, Brote zu backen.
Mit einer blauen, klappernden Camionette begann das Abenteuer.

In diesem Januar 2002 ist der Nachtbus geboren.
Ein zweites Fahrzeug wird bald folgen, ebenso alt, aber tapfer genug, um seine Mission zu erfüllen, das Los der Obdachlosen von St. Petersburg zu erleichtern.
Ihre Runde führte sie in die nördlichen und südlichen Quartiere der Stadt.
Seither hat sich die Hilfe für die vom Staat vergessenen vergrössert.
Zweimal wöchentlich wird erste Hilfe geleistet, die Malzeiten sind ausgewogener, manchmal gibt es sogar Dessert oder Früchte.

Nichts als Zwischenfälle
Gleich zu Beginn von 2009 schlägt Nochlechka Alarm, das Geld beginnt auszugehen. Eine der beiden Runden muss vielleicht gestoppt werden.
Dank der Solidarität kann dieser brüsker Abbruch umgangen werden, wodurch vermieden wird, dass Hunderte von Personen mit leerem Bauch dastehen.
Im April2010 erleidet einer der beiden Busse unverhofft eine schwere Panne, die eine teure Reparatur nötig macht.
Andrei Schapaev, damals verantwortlich für die Verteilung der Lebensmittel, schrieb uns damals:
Die Camionnetten zirkulieren ohne Unterbruch, die Mechanik ist am Ende. Bisher fand man ziemlich schnell Geld für die Reparaturen, vor allem dank den privaten Spenden.
Dieses Mal ist die Panne viel schwerwiegender. Heute Abend wird der Bus seine Tour ins Nordquartier nicht aufnehmen.
Als einzige Möglichkeit zwingt sich der Stop eines der beiden Busse auf und die knappen Mittel auf nur eine Tour zu konzentrieren.
Aber wie lange wird der Verbleibende halten, fragte sich Andrei.

Tausende von Kilometern
Im Mai 2011 ersetzt endlich ein ganz neuer Bus das alte Fahrzeug. Es konnte nicht mehr zusammengeflickt werden, das alte Vehikel. Zahlreiche Pannen, eine schlimmer als die andere, die damit steigenden Reparaturkosteten führten in den finanziellen Abgrund.
Unmöglich, die Hilfe an die obdachlosen Sans-Papiers mit Verlust weiterzuführen. Dies bedroht Nochlechka als Ganzes.
Der neue Bus, gekauft mit der Unterstützung von Hunderten von Personen, darunter der populäre Sänger Boris Grebenschtschikov, nimmt seine humanitäre Mission auf.
Er wurde seither durch ein viertes Fahrzeug ersetzt.
Ein Nachtbus verschlingt eben Kilometer, Tausende von Kilometern pro Jahr und wenn man den Zustand gewisser petersburger Verkehrsadern kennt, besonders im Winter, wenn Schnee, Eis, Schlamm und Salz die Karrosserie schonungslos angreifen, wo die immensen Distanzen innerhalb der Stadt den Motor ermüden, so robust ein Fahrzeug auch sein mag. Die Abnutzung greift schonungslos zu.

Unterstützen wir den Nachtbus
Unter dem Regime von Wladimir Putin hat man nichts im Bauch, fasst Nadesch zusammen, die wir bei der Lebensmittelverteilung antreffen.
Wenn die Miete und die zahlreichen Arztrechnungen einmal bezahlt sind, erlaubt mir meine kleine Rente nicht mehr, mich ordentlich zu ernähren.
Ich frage ich mich wirklich, was ich machen würde, wenn es diesen Nachtbus nicht gäbe. Sicher betteln, aber wer gibt denn hier schon etwas, alle haben Hunger, unterstreicht sie.

Angesichts dieser Realität, angesichts des mörderischen Winters möchten wir so viel mehr tun, aber wir sind stets an der Limite unserer finanziellen Mittel.

Helfen Sie uns, ihnen während der langen Wintersaison zu helfen.
Offerieren Sie warme Mahlzeiten. 500 Rubel, 6.10 Franken pro Person.

 

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