Suche den Obdachlosen

Schauen Sie dort, hinter den zerbrochenen Fenstern ist ein schwaches Licht. Du hast recht, gehen wir nachschauen.

Sergey, Nastya, Karina und Artem nehmen am Rettungstrupp mit dem Namen Charity Hospital teil. Diese setzt sich aus jungen Ärzten zusammen, inspiriert durch Nochlechka und deren Nachtbus.

Ihr Ziel: Obdachlose treffen, sie retten.
Ein bis zwei Mal pro Woche durchstreifen sie die Stadt auf der Suche nach Orten, wo möglicherweise Obdachlose Unterschlupf gefunden haben, verlassene Gebäude und Fabriken, aufgegebene Baustellen.

Achtung Gefahr
Wir haben sie eine Nacht lang auf ihrem ihrem Streifzug besonderer Art begleitet.
Zu unserer Linken ein Wohnblock, woraus der Alltag der Bewohner tritt, bekannte Geräusche und Lichter. Zu unserer Rechten ein Gebäude im Umbau. Mehrere Schilder warnen vor den inhärenten Gefahren.

Sergey, Nastya, Karina und Artem inspizieren mit ihrer Taschenlampe vorsichtig den Boden, vermeiden tödliche Fallen.
Stockwerk um Stockwerk suchen sie in völliger Finsternis nach Besetzern. In einer Art Wohnzimmer sind auf einem Tisch Männer- und Frauenkleider, Speiseresten, am Boden Spritzen, hinten in einer Ecke aus Betonsteinen liegt eine Matratze und Decken. Wir hinterlassen gut sichtbar Flugblätter und Präservative.

Der Ort ist verlassen, Sergey, Nastya, Karina und Artem ziehen auf der Suche nach einem neuen Ziel weiter.
In der Nähe des Sennaya-Kanals erwartet uns eine Reihe alter, verlassener Villen. Die Natur nimmt sie bereits in ihren Besitz.

Überleben in den Ruinen
Niemand im ersten Stock, auch im zweiten nicht, hingegen scheint der dritte bewohnt. Die auf den Flur führenden Türen sind geschlossen.
Sergey klopft mit Nachdruck und schiebt ein Flugblatt unter der Tür hindurch. Diese öffnet sich, ein abgezehrter Mann um die Vierzig erscheint, müde.
Guten Abend, wir sind freiwillige Ärzte. Benötigen Sie Pflege?
Wer ist da? fragt eine Frauenstimme im Hintergrund der Zimmers.
Wir sind freiwillige Ärzte, wiederholt die kleine Gruppe einstimmig. Brauchen Sie Hilfe?
Ja, antwortet die Frau.
Nastya und Karina untersuchen sie, Sergey und Karim schauen sich um: wieviele Leute leben hier, welcher sanitäre Bedarf besteht, was können sie machen?
Bleiben Sie im Winter hier? Fragt Karim.
Nein, viel zu kalt, wir wissen nicht, wohin wir gehen werden
Haben Sie von den geheizten Zelten von Nochlechka gehört?
Hier, nehmen Sie das, erkundigen Sie sich dort, sagt ihr Karim und hält ihr eine Broschüre der NGO hin.
Gute Nacht!, Tragen Sie Sorge zu Ihnen.

Sich hinter seiner Not verstecken
Zurück im Auto erklärt Nastya: jeder Einsatz ist verschieden, manchmal treffen wir viele Obdachlose, führen zahlreiche medizinische Interventionen aus (Verbände, verschiedene Untersuche, Abgabe von Medikamenten), manchmal mangelt es uns an genügend Zeit.
Und manchmal, so wie heute, sehen wir sehr wenig Leute.
Es kommt auch vor, dass jeglichliche Hilfe verweigert wird, dass sich die Leute hinter ihren Türen verstecken.

Der Kontakt ist wirkungsvoller als ein Analgetikum
Das ist logisch, fügt Sergey bei, die Menschen haben überhaupt keinen Grund, uns zu vertrauen. Wir kommen unvermittelt, ohne eingeladen zu sein, so als wären wir von der Polizei.
Um das Vertrauen zu gewinnen, genügt es oft, mehrmals zurückzukommen und unsere Hilfe anzubieten, ohne irgendetwas zu verlangen, nichts zu erwarten.
Es reicht auch, die Broschüren von Nochlechka zu hinterlassen. Das funktioniert.
Am Anfang bringt die zwischenmenschliche Kommunikation manchmal viel mehr als zwei Tabletten Analgetikum.

Die Aufgabe ist immens. Unterstützen Sie uns, Sie retten Leben.

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