So zahlreich so prekär

Die Zahl der Obdachlosen steigt dramatisch, kommentiert Grigory Swerdlin, Direktor von Nochlechka.
Unsere Empfangszentren sind voll, an den Haltestellen des Nachtbusses sind sie zahlreich, um Essen zu verlangen.

Um ihnen zu Hilfe zu kommen, benötigen wir ihre Unterstützung, unsere Ressourcen sind beschränkt. Helfen Sie uns, machen Sie ihre Umgebung und Kollegen auf uns aufmerksam. UNTERSTÜTZEN SIE UNS.

Es fehlt an allem
Der Anästhesist-Wiederbeleber Sergei Lewkov, einer der Gründer der Vereinigung Charity Hospital, unterstreicht den grossen Bedarf an Material: Masken, Brillen, Handschuhe, Blusen, Desinfektionsmittel.
Auf der Strasse sind die Obdachlosen dauernd dem Risiko ausgesetzt, angesteckt zu werden oder jemand anders anzustecken, fügt Sergei bei. Die Promiskuität ist gross, zudem haben sie Kontakt zu Personen, die sich frei bewegen können wie z.B. Polizisten oder Personen, die sich einfach nicht an die Regeln halten.
Sergei Lewkov bemerkt auch, dass die Obdachlosen riskieren, nicht nur mit dem Virus Covid-19 angesteckt zu werden, sondern leiden bereits an chronischen Krankheiten: Bluthochdruck, Tuberkulose, HIV oder Diabetes.

Russland tut nichts
Schon vor dem Auftreten der Epidemie lebten über 60’000 Personen auf der Strasse, sagt Grigory Swerdlin. Heute sind sämtliche inoffiziellen Arbeitskräfte betroffen. Ohne Einkommen stehen sie ebenfalls auf der Strasse. Zehntausende zusätzliche hungrige Mäuler müssen versorgt werden, zehntausende zusätzliche Körper zu pflegen.

Weltweit wirkt Corona wie eine Ermahnung, es unterstreicht unter anderem die sozialen Unterschiede. Es akzentuiert die strukturelle, staatliche und sanitäre Problematik. Während in manchen Ländern ein soziales Auffangnetz für die Ärmsten existiert, ist dies in Russland absolut nicht der Fall.

Staatliches Schweigen
Am vergangenen 13. April sandten die Anwälte von Nochlechka einen dringenden Aufruf an die Behörden von St. Petersburg und Moskau, sich umgehend um die Obdachlosen zu kümmern.
Wir haben keinerlei Antwort erhalten, schimpft Grigory Swerdlin. Überall in Europa – sei es in Frankreich, Deutschland, in der Schweiz oder im Vereinigten Königreich von England – werden Sporthallen und leere Hotels in Unterkünfte umgewandelt. In Paris wurden den SDF dreitausend neue Betten angeboten. Russland hingegen tut nichts….

So viele ernähren
An der Haltestelle des Nachbuses ist die Warteschlange imposant. Wir müssen die Rationen limitieren. Nach dem Öffnen der Bustüren verlangen die Freiwilligen die Obdachlosen ohne Unterbruch, die sozialen Abstände einzuhalten. Eine Direktive, die nicht einfach durchführbar ist.
Wir messen bei jedem die Temperatur. Jeder muss seine Hände desinfizieren, bevor er seine Schale Suppe erhält, jeder erhält ein Paket Reinigungstüchlein. Vor dem Bus werden Kleider und Medikamente verteilt.
In normalen Zeiten zählen wir an jeder Bushaltestelle im Durchschnitt etwa dreissig Personen. In den momentan unsicheren Zeiten drängen sich knapp sechzig um die Ausgabestelle für warmes Essen.

Paradox
Die Obdachlosen sind zahlreicher, wir müssen mehr Nahrung anbieten können. Das genaue Gegenteil ist aber der Fall.
Als Folge der Quarantaine sind die Kaffees und die Restaurants, du uns mit Mahlzeiten versorgten, sind geschlossen, erklärt Andrei Schapaiev, verantwortlich für die humanitäre Hilfe bei Nochlechka. Es ist schwierig geworden, für unsere täglichen Tourneen das nötige Essen zu finden.

Mehr denn je haben wir ihre unabdingbare Hilfe nötig.

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