Corona, auch sie

Wenn es eine Risiko-Gruppe gibt, ist es jene der Obdachlosen.

Auch sie müssen geschützt werden
Am 16. März hat Nochlechka entschieden,den Rechtsberatungs-Service, die Dusche, die Wäscherei, den Wartesaal und die Treffen mit der Psychologin vorübergehend zu schliessen.

Andrei Schapaev, verantwortich für die humanitären Dienste der NGO, erläutert uns diese ersten Entscheide:
Man darf sich nicht täuschen, wir riskiereen, dass diese Massnahmen sehr schnell sehr ungenügend sind.
Im Kontext mit den Obdachlosen kündigt sich eine extrem komplexe, schwierige Aufgabe an. Und wie realisieren wir in unseren Empfangsbereichen eine Separation, sagt Andrei besorgt.

Nirgends eine Unterkunft, wo man sich vor der Bedrohnung schützen kann
Zur Zeit führen wir den Nachtbus, die geheizten Zelte und unser Nachtzentrum weiter. Dienstleistungen zum Überleben. Die Durchschnittstemperatur in St. Petersburg erreicht fünf Grad.
Jetzt, zur Zeit, wo alle sozialen Netzwerke und die russischen Medien uns aufrufen, sich in den vier Wänden einzuigeln, bleiben die Tausenden von Obdachlosen ohne jeglichen Schutz auf den Strassen von St. Petersburg.
Wie immer, bin ich zu ergänzen versucht.
Sie können nirgendwo hin, um sich vor der Bedrohung durch den Virus zu schützen.

Staatliches Schweigen
Am Dienstag, den 17. März, erklärte Präsident Putin die Corona-Situation als „unter Kontrolle“. Er verlangte von den Russen auch, „Solidarität und Disziplin“ zu zeigen und die Vorschriften zur Eindämmung zu befolgen, insbesonders von jenen, die aus dem Ausland heimkehren. Der Staat und die Gesellschaft müssen gemeinsam und organisiert agieren, indem man auf jeden Einzelnen aufpasst, fügte er bei.
Ohne den Eindruck zu erwecken, bereiten sich die Behörden währenddessen langsam aufs Schlimmste vor, zunehmdend ergreift Panik die russische Bevölkerung.
Am 19. März gestand der Staat 147 Corona-Erkrankte ein und nährte so Befürchtungen in der Bevölkerung.
Zahlreiche diesbezüglich befragte Bürger empören sich bereits: wir kennen die Realität dieser Pandemie nicht.
Andrei unterstreicht: diese politische Aphasie überrascht überhaupt nicht, sie erinnert an das Stillschweigen des kommunistischen Regimes, das so unter allen Umständen versuchte, gewisse Katastrophen zu verheimlichen, Tschernobyl zum Beispiel.

Wie Aussätzige
Andrei Schapaev befürchtet im weiteren, dass diese Pandemie die Ausgrenzung der Obdachlosen verstärken wird. Bereits haben viele Leute völlig vorgefasste Meinungen zu diesem Thema. Mit Corona riskieren sie, die Obdachlosen wie Aussätzige zu behandeln.
Wir werden natürlich eine Informationskampagne durchführen.

Ein mangelhaftes Krankenhaussystem
Was uns auch sehr beunruhigt, ist der Zustand des Spitalsysystems, insgesamt sehr mangelhaft.
Wenn es bereits für den Durchschnittsbürger schwierig sein wird, einen adäquaten Krankenhausplatz zu finden, wird es für die Obdachlosen….
Aber auch sie, die Obdachlosen, müssen geschützt werden, sagt der Verantwortliche für die humanitären Dienste
von Nochlechka abschliessend.

Unsere Aufgabe ist immens
Wir brauchen Sie
Retten wir Leben

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